Japan mit Teenager – Teil 1: Von Tokio bis Kyūshū

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Sanjusangen - do in Kyoto- Tempel der 1000 Buddhas
Sanjusangen – do in Kyoto- Tempel der 1000 Buddhas

Japan – ein Land voller Gegensätze, in dem moderne Megastädte und stille Tempelwelten nur eine Zugfahrt voneinander entfernt liegen. Nach unserer ersten Reise war klar: Wir kommen wieder. Diesmal wollten wir das Land noch intensiver erleben – per Zug, mit Teenager und mit ganz viel Neugier.

Drei Wochen lang führte uns unsere Route von Tokio über Kyoto bis auf die südliche Insel Kyūshū. Wir entdeckten neue Lieblingsorte, sammelten Goshuin-Stempel, probierten uns durch Sushi, Ramen und Okonomiyaki – und lernten, dass Spontaneität in Japan manchmal der beste Reiseplan ist.

Im ersten Teil dieser Serie geht es um die Etappen Tokio, Kyoto und Kyūshū – also die ersten zehn Tage unserer Reise.
In Teil 2 folgen dann Onomichi, der Shimanami Kaido, Osaka, die Expo 2025 und unser spiritueller Abschluss auf dem Kumano Kodo Pilgerweg.

Dieser Beitrag gibt einen ersten Überblick über unsere Route und Erlebnisse.
In den kommenden Wochen erscheinen weitere Blogposts, in denen ich detaillierter auf einzelne Orte, Unterkünfte, kulinarische Tipps und Reiseplanung eingehe. Es lohnt sich also, dranzubleiben – Japan hat noch viele Geschichten zu erzählen.

Ankommen in Tokio

Nach einem langen Flug über Bangkok erreichten wir endlich Tokio – diese Stadt, die nie stillsteht und doch in jeder Ecke Momente der Ruhe birgt. Mit dem Skyliner fuhren wir nach Nippori, wo unser charmantes Hotel Wagokoro wartete. Die Zimmer sind klein (vor allem zu dritt ;-), aber sehr sauber und es ist alles da, was man braucht. Ausserdem gibt es einen kleinen Gemeinschaftsraum mit Küche, so dass man sich auch selbst verpflegen kann, falls man möchte.(Tipp: in Nippori ist auch die Fabric Town von Tokio – falls ihr hierzu einen eigenen Blogbeitrag möchtet, schreibt das gerne in die Kommentare).

Unsere erste Station: das kleine Sushilokal Kurosawa, in dem die Kommunikation auf Englisch zwar etwas improvisiert war, das Essen dafür umso besser. An diesem Abend hatten wir das Gefühl, wirklich in Japan angekommen zu sein und fühlten uns sehr willkommen.

Frühstück in der Higurashi Bakery in Tokio
Frühstück in der Higurashi Bakery in Tokio

Am nächsten Morgen starteten wir gemütlich mit Cappuccino und Croissant in der Higurashi Bakery, einem unserer Lieblingsorte vom letzten Mal. Danach tauchten wir mitten ins Stadtleben ein: Shibuya-Kreuzung, das ununterbrochene Menschengewirr, Neonlichter, Musik – Tokio pur. Vom Fensterplatz im Starbucks aus beobachteten wir das bunte Treiben, bevor wir die Ausstellung „Hokusai – Another Story“ besuchten. Ein schöner, ruhiger Kontrast zum Trubel draußen.

Shibuya- Crossing in Tokio
Shibuya- Crossing in Tokio
Nippori - Tokio
Nippori – Tokio

Abends entdeckten wir Ebisu, wo sich kleine Lokale dicht an dicht reihen. Wir landeten in einem winzigen Restaurant mit ausschließlich japanischer Karte – ein echtes Abenteuer und mehr als köstlich. Aber Achtung – in vielen Isakayas ist der Zutritt erst ab 21 Jahren erlaubt – bei Reisen mit Kindern wichtig zu wissen.

Unser zweiter Tag in Tokio stand ganz im Zeichen von Kunst und Aussicht. Zuerst ging es zum Tokyo Tower, der in leuchtendem Rot über der Stadt thront. Der Blick reichte zwar nicht bis zum Fuji, war aber trotzdem beeindruckend – ein Meer aus Gebäuden bis zum Horizont. Anschließend besuchten wir das teamLab im Mori Art Building, ein interaktives Kunstmuseum, das wir schon von unserer letzten Reise in bester Erinnerung hatten. Unser Sohn wollte unbedingt wieder hin – damals war es das teamLab Planets, diesmal das Pendant im Mori Building. Und auch diesmal war es magisch: Licht, Bewegung und Klang verschmelzen zu einer Welt, in die man völlig eintaucht.

Tipp: Tickets für teamLab am besten schon von zu Hause aus reservieren – vor allem an Wochenenden kann es sehr voll werden.

Teamlab in Tokio
Teamlab in Tokio

Kyoto – Tempel, Gassen & kulinarische Entdeckungen

Eigentlich sollte es am nächsten Tag weiter mit dem Zug nach Fukuoka auf Kyushu gehen, doch Starkregen legte den Shinkansen lahm. Also spontan Plan B: Kyoto!
Und das war ein Glücksfall – wir fanden ein tolles Zimmer im Kyoto Hot Spring Hatoya, sogar mit Upgrade und eigenem Onsen im Dachgeschoss des Hotels.

Kyoto empfing uns mit seinem besonderen Zauber: Pontocho Alley bei Nacht, Gion mit seinen alten Holzhäusern, Tempelbesuche und immer wieder köstliches Essen.

Besonders in Erinnerung bleiben die Gyoza-Variationen, würzige Dandan-Nudeln und ein selbst zubereitetes Okonomiyaki in einem winzigen Lokal, in dem uns eine ältere Dame mit herzlichem Lächeln bewirtete.

Am nächsten Morgen wagte ich mich zum ersten Mal ins Onsen – eine neue Erfahrung, ruhig, achtsam und entspannend. Danach begann der Tag mit Kultur:

  • Sanjūsangen-dō mit seinen tausend Buddha-Statuen,
  • Kiyomizu-dera mit spektakulärem Blick über die Stadt,
  • Ryōan-ji mit seinem berühmten Zen-Steingarten und
  • Ginkaku-ji, der Silberne Pavillon, samt Spaziergang auf dem Philosophenweg.
Kyomizu-dera in Kyoto
Kyomizu-dera in Kyoto
Chion in in Kyoto
Chion in in Kyoto

Nebenbei füllten sich unsere Goshuin-Bücher mit kunstvollen Kalligraphien – eine wunderschöne Erinnerung an jeden Tempelbesuch.

Tipp: Teenager lassen sich leicht für Kyoto begeistern, wenn man Kultur mit kleinen Belohnungen kombiniert: Matcha-Eis, Shaved Ice oder eine Tee-Experience wirken oft Wunder. Auch das Sammeln der Goshuins hat unserem Sohn grossen Spass gemacht – und zu zahlreichen Tempelbesuchen animiert 😉

Mein Goshuin Buch mit dem Goshuin des Ryoan-ji
Mein Goshuin Buch mit dem Goshuin des Ryoan-ji
Ginkaku-ji in Kyoto
Ginkaku-ji in Kyoto

Kyūshū – Nagasaki & Kumamoto

Nach Tagen voller Geschichte und Tempel führte uns die Reise weiter nach Nagasaki. Schon die Ankunft fühlte sich anders an – ruhiger, weniger touristisch, entspannter.

Unsere Unterkunft, das Candeo Hotels Nagasaki Shinchi Chinatown, lag zentral und bot mit seinem Onsen auf dem Dach den perfekten Ausgleich zu den vielen Eindrücken des Tages. Von hier aus war es nur ein kurzer Spaziergang zu Shinchi Chinatown, wo wir durch kleine Gassen schlenderten, kalte Getränke tranken und Eis im Café am Hafen genossen. Besonders schön war es, am Abend draußen zu sitzen und die maritime Atmosphäre auf uns wirken zu lassen.

Ein geschichtlicher Höhepunkt war der Besuch im Atomic Bomb Museum und im Peace Park – Orte, die tief berühren und gleichzeitig Hoffnung vermitteln. Besonders bewegend war das Symbol der tausend Origami-Kraniche, von denen jeder Besucher einen mitnehmen durfte. Danach ging es weiter zum Clover Garden, wo wir lokale Spezialitäten wie Butaman probierten – gedämpfte Dumplings, die in Nagasaki ein Muss sind.

Atomic Bomb Museum in Nagasaki
Atomic Bomb Museum in Nagasaki
Atomic Bomb Museum in Nagasaki

Ein besonderes Erlebnis war das traditionelle Shōrōnagashi-Festival, das jedes Jahr im August stattfindet. Dabei gedenken die Menschen ihrer Verstorbenen, indem sie geschmückte Boote durch die Straßen tragen – begleitet von lautem Knallen, Musik und buntem Lichterglanz. Es war eindrucksvoll, emotional und ein echtes Stück japanischer Kultur, das wir so nah miterleben durften.

Shoronagashi in Nagasaki
Shoronagashi in Nagasaki

Zum Abschluss des Tages fuhren wir mit der Seilbahn auf den Inasayama. Von dort oben bot sich ein spektakulärer Blick auf die erleuchtete Stadt – einer der drei schönsten Nachtblicke der Welt.

Am nächsten Tag reisten wir weiter nach Kumamoto. Schon der erste Eindruck: lebendige Straßen, gemütliche Cafés und eine Stadt, die Geschichte atmet. Unser Zuhause für zwei Nächte war ein charmantes Airbnb in einem traditionellen japanischen Haus, mit Tatami-Matten, Schiebetüren und ganz eigenem Charakter – ein wunderbarer Kontrast zu den modernen Hotels zuvor.

Unser AirBnB in Kumamoto

Wir besichtigten die imposante Kumamoto-Burg, spazierten durch den friedlichen Suizenji Jōjuen-Park und ließen uns beim Bäcker mit köstlichen Cream Puffs verwöhnen. Besonders eindrucksvoll war der Ausflug zum aktiven Vulkan Mt. Aso. Wir hatten Glück – der Krater war geöffnet, und die Kombination aus Schwefeldampf, Wind und weiter Aussicht war einfach überwältigend.

Zum Abschluss des Tages fanden wir ein kleines Juwel: das Yakiniku-Restaurant Tesuita. Ohne englische Karte, dafür mit großartigem Essen – vom Seeigelpudding über Fisch-Carpaccio bis zum perfekt gegrillten Rindfleisch. Ein Abend, der uns noch lange in Erinnerung blieb.

Tipp: Für ländliche Regionen wie rund um den Mt. Aso lohnt sich ein Mietwagen unbedingt – er bietet maximale Flexibilität und Zugang zu abgelegenen Highlights. Öffnungszeiten, Wetter und Straßenbedingungen sollte man jedoch stets im Blick behalten.

Fazit zu Teil 1

Von den Neonlichtern Tokios über die stillen Tempel Kyotos bis zu den friedlichen Momenten auf Kyūshū – diese erste Hälfte unserer Reise zeigte uns Japans ganze Vielfalt.

Im zweiten Teil geht es weiter mit Onomichi, der Shimanami Kaido-Radtour, der Expo 2025 in Osaka und dem spirituellen Abschluss auf dem Kumano Kodo Pilgerweg.

Zwei Geishas in Kyoto

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